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Rainer Maria Rilke

Rainer Maria Rilke Rainer Maria Rilke wird am 4.12.1875 in Prag geboren, als Sohn eines Militärbeamten. Er besucht die Militärschule St. Pölten 1886 bis 1891 und danach die Militär-Oberrealschule in Mährisch-Weißkirchen. Der sensible Knabe weicht der Offizierslaufbahn aus, bereitet sich privat auf das Abitur vor und studiert Kunst- und Literaturgeschichte in Prag, München und Berlin. 1897 Begegnung mit Lou Andreas-Salomé, mit der er 1899/1900 nach Rußland reiste. 1900 lässt er sich in der Malerkolonie Worpswede nieder und heiratet die Bildhauerin Clara Westhoff, von der er sich 1902 wieder trennt.
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R. M. Rilke an Hertha Koenig, Finkenstraße 2/IV, 11.06.1915

Liebe gnädigste Frau,
mein heutiges Bulletin: das kleine Häuschen ist mir fortgenommen (als ich eben diesen Morgen dazu entschlossen war), da Erlers nun ihre andere, größere Villa, nicht die kleine unten am See, vermiethen wollen! Ein sehr nettes Fräulein, als Haushälterin, hab ich inzwischen so gut wie engagiert, was thun - ? Ich will weiter ans Suchen gehen, denn es ist mir inzwischen klar geworden, daß ich zunächst doch Wochen völligen Alleinseins und Verborgenseins haben müßte, und die Ungeduld, solche Wochen möglichst unmittelbar anzutreten, ist in mir auf's Äußerste gestiegen.
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R. M. Rilke an Hertha Koenig, München, Widenmayerstr. 32, 15.06.1915

Liebe gütige gnädige Frau,
Danke. Ich will den guten Worten gläubig sein, die ich hier vorfand, und habe in solchem Willen mein reiches köstliches Lehen gestern Abend angetreten: eine gute Nacht, ein ruhig-zuversichtlicher Morgen; alles schön und heiter, so wie Sie mirs bereitet haben. Gestehe, daß ich eben doch den Schreibtisch umgestellt habe, quer in den Raum, vors Fenster, weil die offene Balkontür störte und wegen des (nun daneben gestellten) Stehpults. Aber das sei das A und O meiner Eigenmächtigkeit. Der Picasso ist großmüthig-vertraulich (wird vor Sonne geschützt, auch schonen ihn meine Augen, da ich ihn nun immer gewahren kann).
Sie wissen nicht wie dankbar und grüßend,
Ihr Rilke

R. M. Rilke an Hertha Koenig, München, Widenmayerstr. 32 /III 15.07.1915

Liebe und werthe Frau Koenig,
erst wieder den Bericht vom Wohlergehen und Wohl-bestehen des Hauses und meinem damit dankbarst verbundenen. Es ist nichts vorgefallen, als daß die "Gesellschaft für Rassenhygiene" einen Jahresbeitrag von 10 Mk 35 für die Mitgliedschaft Ihres Bruders einforderte, die Sache machte mir einen wahrscheinlichen Eindruck, so daß ich den Betrag ausgelegt habe. (Beiliegend die betreffenden Papiere).
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Briefe von Hertha Koenig
AN HERRN PROF. TSUKAKOSHI, Böckel, 6. 12. 1963

...Es hätte einer „Anweisung“ nicht bedurft. „Das ist ja mein Bild“, rief ich, als mir „Der sterbende Pierrot“ aus Rilkes Brief entgegenkam. Ich war vor Jahren durch Ausstellungen gegangen, ohne eine Beziehung zur damaligen Kunst zu finden. Da blieb ich eines Tages vor diesem Picasso-Bild stehen und fühlte mich zugehörig. Der Gedanke, so etwas selber haben zu dürfen, kam mir damals nicht. Ich fühlte mich fortan nicht mehr heimatlos in Kunstausstellungen, weil es dieses Bild gab. Später hörte ich, daß es in Privatbesitz entschwunden sei. Ich nahm an: für immer und trauerte ihm nach. Da begegnete ich bald darauf dem „Blinden“ aus der blauen Picasso-Periode. Der kam in mein Zimmer. Manch einer entsetzte sich, daß eine junge Frau so etwas Düsteres in ihr Zimmer hing. Für mich hatte dieser Blinde etwas ungemein Tröstliches.
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AN HERRN PROF. TSUKAKOSHI, Böckel, 22. 2. 1964

... In unserer Zeit, dicht neben uns, lebte jemand, der ganz Ernst gemacht hat bis in die kleinsten Züge des täglichen Lebens. Es ist ein ganz einfacher Rilke, von dem ich einiges erzählen will, ohne alles Komplizierte, was man ihm so gern zuschreibt. Denn auch, wo sein Wort dunkel scheint, ist es einfach; nur muß man die Dunkelheiten und Niederungen kennen und willig hindurchgehen, wie er es getan hat. Was die Heutigen von Rilke trennt ­ eine Epoche, der nicht mehr beliebt, die Dinge beim rechten Namen zu nennen und sich mit sich selber einzulassen, wo es unbequem wird. Sie wissen nicht, wie unerbittlich das von Rilke gemeint war, dieses oft erwähnte: „Du mußt dein Leben ändern.“
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