Lina Atfah

Grabtuch aus Schmetterlingen

Gedichte Arabisch-Deutsch

In Lina Atfahs Gedichten finden Verwandlungen statt, nicht nur von Welt und Biografie in Sprache, sondern ganz konkret, wenn die ­Dichterin zunächst als Kiesel von den Wellen hin- und hergerollt, sodann eine ­Schnecke, eine Pflanze, ein Baum und ein Vogel wird, schließlich zu dem »Wesen, das mit fünf Fingern Dinge festhält«. Da der Schmetterling uns als das metamorphische Wesen par excellence vor Augen flattert, ist er im Titel des Buches gut aufgehoben: Grabtuch aus Schmetterlingen – ein Bild, das so verstörend wie unwiderstehlich ist. Bedenkt man jedoch, dass der Schmetterling seit der Antike als Verkörperung der Seele gilt, dass Verpuppung und Wiederauferstehung zu seinem Wesen gehören, so birgt dieses Grabtuch zugleich auch Trost, weil es Hoffnung auf ein neues Erwachen macht, wenn auch in anderer Gestalt.

Lina Atfah

Lina Atfah wurde 1989 in Syrien geboren und studierte in Damaskus arabische Literatur. 2014 erhielt sie die Erlaubnis, das Land zu verlassen und kam nach Deutschland. 2019 wurde ihr erster Gedichtband auf Deutsch veröffentlicht: »Das Buch von der fehlenden Ankunft«, auf das 2022 der Band »Grabtuch aus Schmetterlingen« folgte. 2020 wurde sie im Rahmen der Frankfurter Buchmesse mit dem LiBeraturpreis ausgezeichnet. Seit 2014 lebt Lina Atfah in Wanne-Eickel in NRW.

Weitere Titel: